Sezession Graz

Impressum   Post: sezession graz, c/o Raymonde Marcher Greinix, 8570 Voitsberg, Arnsteinstraße 58, Österreich.   Über die Sezession  

Geschichtliches

Eine Sezession wird gegründet von Wilhelm Thöny (1930?)

Vereinschronik über die Jahre 1923 - 1938(Seite»2»3»4»5»6»7»8)
von Margit Fritz-Schafschetzy und Wolfgang Silberbauer (1993)

Chronik der Sezession Graz(Seite »2»3»4»5»6»7»8)
von Trude Aldrian (1973)

Salut zum Siebziger! von Heribert Schwarzbauer (1993)

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Vereinschronik über die Jahre 1923 - 1938
von Margit Fritz-Schafschetzy und Wolfgang Silberbauer, Seite 2

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Obwohl Ertler selbst eingestand, dass er Wickenburgs expressionistische Gemälde, wie er sie nannte, auch nicht in sein Zimmer hängen wollte, so versuchte er ihnen doch Toleranz und soweit er es vermochte auch Verständnis entgegen zu bringen.

Anders, aus einem völligen Unverständnis heraus, beurteilte Dr. Alfred Möller von der Grazer Tagespost die Arbeiten Wickenburgs, wobei er diese in seinem Artikel offensichtlich lächerlich zu machen versuchte. Möller war überzeugt, dass die große Besucherzahl vor allem von dem enfant terrible, wie er Wickenburg bezeichnete, zu verdanken wäre, da dessen Arbeiten so viele Neugierige in die Ausstellung lockten, die sich dort dann frügen, warum diese wie aus einem Spritzstraubendrücker gepressten Massen gerade Diana und Aktäon oder Rinaldo und Armida hießen und warum der schöne Narzissus statt der Nase ein gurkenähnliches Heft im Gesicht trüge.

Von völliger Ignoranz zeugte auch die von Dr. Hanns Löschnigg verfasste Ausstellungsbesprechung im Grazer Volksblatt. Löschnigg versuchte darin die moderne Kunst, mittels völkisch-nationalsozialistischer Argumentationstartegien, als krankhafte Erscheinung abzuhandeln.

Auch die Arbeiten der übrigen Sezessionsmitglieder wurde recht unterschiedlich von den Kulturredakteuren der Grazer Tageszeitungen beurteilt.

Einstimmigkeit herrschte lediglich in der Anerkennung der künstlerischen Leistung des Bildhauers Hans Mauracher, der dem Publikum realistisch aufgefasste Holzplastiken mit vorwiegend religiöser oder bäuerlichen Sujets präsentierte.

Wesentlich umstrittener dagegen waren die Gemälde Wilhelm Thönys, von denen eine größer Kollektion zu sehen war. Unter seinen ausgewählten Werken befand sich eine größere Anzahl von Landschaftsbildern, hauptsächlich Stadtansichten, bei denen Nacht- und Winterdarstellungen überwogen, wobei er primär bestrebt war, mit ihnen Gefühls- beziehungsweise Seelenzustände auszudrücken.

Eine zweite Themengruppe innerhalb seiner Arbeiten, die auch in der ersten Sezessionsausstellung vertreten war, bildeten Portraits, bei denen er den Schwerpunkt auf die Erfassung bestimmter Charaktere gelegt hatte. Thönys Interesse galt neben der Beschäftigung mit einzelnen Personen vor allem der Beobachtung bestimmter Gesellschaftsgruppen, wobei er ein Herausarbeiten ihrer seelischer Strukturen anstrebte. Am meisten schien ihn dabei die eher seichten und oberflächlichen, sinnenfreudigen, oft dekadenten Vergnügungen der modernen Gesellschaft zu berühren. Die ausgestellten Bilder Die Spieler, Zirkus und Die Loge gehörten wohl dieser Themengattung an.

Wieder einen anderen Themenkreis bildeten jene Werke mit Darstellungen aus dem Musikleben, wie das Klavierkonzert, Trio sowie etliche Zeichnungen zum Beethovenzyklus. Wilhelm Thöny, der auch eine außerordentliche musikalische Begabung besaß, setzte sich in seinen Bildern des öfteren mit ähnlichen Motiven auseinander.

In der ersten Sezessionsausstellung hatten Thönys Werke zwar bereits etliche Befürworter unter den Ausstellungsbesuchern gefunden, doch gab es auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl jener, die seine Bilder ablehnten.

Auch von den Kritikern der Grazer Tageszeitungen wurden Thönys Bilder recht unterschiedlich bewertet, wenngleich seine Kunst von keinem gänzlich abgelehnt wurde.

Sogar Hanns Löschnigg vom Grazer Volksblatt billigte Thöny ein Talent zu, das in erster Linie in den Portraits ersichtlich geworden wäre, wogegen Thöny, wie Löschnigg meinte, in den Landschaften immer moderner, das heißt salopper werden würde.

Auch Möller beurteilte in der Tagespost die einzelnen Arbeiten des Künstlers recht unterschiedlich. So meinte er, dass das Publikum einigen Werken Thönys aufgrund der eigenwilligen Abbreviaturen nur schwer Gefolgschaft leisten könnte, wohingegen andere seiner Gemälde, wie das Klavierkonzert von niederwerfender Wucht seien.

Bruno Ertler vom Neuen Grazer Tagblatt fand in seiner Ausstellungsbesprechung geradezu begeisternde Worte in Hinblick auf Thönys Portraits. So schrieb Ertler unter anderem, er kenne nur wenige Bilder von so starkem, geradezu faszinierendem Ausdruck wie das Mädchen unter Blumen.

Auch Ernst Fischer stand Thönys Arbeiten sehr positiv gegenüber. In seinem bereits zitierten Artikel im Arbeiterwillen bezeichnete er Thöny als den interessantesten, vieldeutigsten und kompliziertesten Künstler unter den Sezessionisten und als Maler von großem Format, der in seinen Werken die widerspruchsvolle Gegenwart reflektierte.

Fischer sah in Thöny, den er als bürgerlichen Rebellen titulierte, einen Künstler der Untergangs- beziehungsweise Übergangszeit, der mit seinen Werken zwischen Gestern und Morgen, zwischen Ekel und Lust, zwischen Grauen und Hingerissenheit, zwischen Revolution und Impressionismus stehen würde.

Fritz Silberbauer wurde von Ernst Fischer als vielleicht stärkste künstlerische Potenz innerhalb der Sezession bezeichnet. Zweifelsohne spielte bei dieser Feststellung auch politisch-ideologische Motive eine Rolle. Fischer war zum Beispiel der Überzeugung, dass Silberbauers Übersiedlung in ein Arbeiterviertel in der Nähe der Schuhfabrik Humanic und damit die ständige Konfrontation mit der Welt der Arbeiter, den Bezug des Künstlers zur Realität, der sich nach dem Krieg bereits etwas gelockert hatte, wieder hergestellt hätte.

Trotzdem fand er die von Silberbauer dargestellten Arbeiterköpfe noch zu literarisch und kinohaft. Anders beurteilte er dagegen das Kriegerdenkmal für Oberwölz, welches wirklich das Grauen des Krieges wiedergebe und nichts mit der leeren Pose der Heldenverehrung zu tun habe. Auch Bruno Ertler und Alfred Möller fühlten sich vom Kriegerdenkmal beeindruckt. Nur Hanns Löschnigg meinte, dass auch Silberbauer im negativen Sinne Fortschritte genmacht hätte.

Hönigs Bilder, die von Bruno Ertler als kalt und nüchtern eingestuft wurden, dürften stilistisch in einer gewissen Nähe zum Magischen Realismus gestanden haben.

An den episodenhaften, sozialkritischen Darstellungen Paul Schmidtbauers wurde hauptsächlich sein köstlicher spöttischer Humor hervorgehoben.

Igo Klemencic, der in den vorangegangen Ausstellungen wegen seiner modernen künstlerischen Ansichten stets großes Aufsehen erregt hatte, war - wie es scheint - zur Überraschung seiner Kritiker mit recht konventionell aufgefassten Landschaftsbildern vertreten.

Auch Hanns Wagulas, stilistisch an Cezanne erinnernde, südfranzösische Landschaften wurden von Ertler und Möller recht wohlwollend erwähnt. Lediglich Ernst Fischer sah in der schwermütigen Schönheit dieser Bilder eine Gefahr, dass Wagula in eine der Wirklichkeit abgewandten Ästhetik verfallen könne.

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Und es hätte alles keinen Sinn, hätte man nicht wenigstens die Unendlichkeit vor sich.

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last revision: Fri Oct 26 11:08:32 2012 ( )